Frage an den Umweltminister

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Markus Dippold
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Re: Frage an den Umweltminister

Beitrag von Markus Dippold »

wolf hat geschrieben:Bei mir kam die gleiche Antwort bla bla bla wie bei Sula. Am besten lassen wir uns jetzt Aufkleber "Der Umweltminister: Sie sind ein Vorbild" drucken, das wird die Akzeptanz der eMobility sicher gewaltig erhöhen. :lol:
Dito bei mir. Ich schreibe gerade eine Antwort.
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Altmaier,

in Ansätzen kann ich Ihre Ausführungen nachvollziehen.

Eines ist für mich allerdings gar nicht nachvollziehbar:
"Den Zuschlag für Fördergelder erhalten nur Projekte, die zur Erforschung des ökologischen und ökonomischen Nutzens der Elektromobilität beitragen, Vorbildcharakter haben und auf andere Projekte übertragbar sind."
Was muß hier noch erforscht werden?
Hat die Post vor, demnächst als Akku-Hersteller für Elektrofahrzeuge in Erscheinung zu treten?
Die Fahrzeug-Technik ist vorhanden, diese Technik funktioniert. Wie der Nutzen gegenüber "Explosionstreibkolbenfahrzeugen" ist, kann man sich leicht ausrechnen. Ob ein Elektrofahrzeug für den gedachten Einsatzzweck geeignet ist, kann man sich ebenfalls leicht ausrechnen. Gerade bei der Post sollte das ziemlich einfach sein, da die Fahrzeuge wohl kaum zufallsgesteuert ihre Routen abfahren. Wenn das die Logistiker der Post nicht hinbekommen, nun ja ...

Der ökologische Nutzen von E-Fahrzeugen ist nachgewiesen.
Der ökonomische Nutzen von E-Fahrzeugen ist nachgewiesen.
Warum also "nur" erforschen? Einfach machen. "Make it so", sagt Captain Picard immer. Insofern sehe ich die 6 Millionen Euro doch als Kaufanreiz, egal wie Sie es nennen.

Mit solchen Maßnahmen ruht sich die deutsche Fahrzeug-Industrie noch mehr aus mit der Folge, daß auch in 20 oder mehr Jahren noch geforscht wird. Von den vielen E-Fahrzeugen, die die Kanzlerin bis 2020 auf den Straßen haben will, wird es am Ende nur ein Bruchteil sein, befürchte ich. Daß die Kanzlerin ein Stückchen der Zukunft wieder an die Auto-Industrie verschachtert hat, war auch gerade wieder in den Zeitungen zu lesen (Thema "CO2-Anrechnung").

Audi hat sich auch gerade eben mal wieder selbst ins Knie geschossen mit der Aussage, daß E-Mobilität praktisch kein Thema mehr ist (http://e-tankstellen-finder.com/at/de/n ... em/1075634).
Hybrid, Hybrid ... rufen sie alle. Porsche? Feigenblatt. Audi? Feigenblatt. BMW? Auch ein Feigenblatt. Bei all den dort angebotenen Fahrzeugen reicht die elektrische Reichweite nicht einmal, um Brötchen zu holen, wenn sie denn überhaupt rein elektrisch fahren können.
Mercedes? Immerhin den E-Cell und den Smart ed (mit freundlicher Unterstützung von Tesla, der deutsche Premium-Hersteller Mercedes bekommt es also selbst nicht hin; und der AMG ed ist wohl kaum ein ernsthaft nutzbares Fahrzeug für den Alltagsgebrauch, um den es hier geht).
VW? e-Golf und e-Up müssen erst noch kommen. Bis jetzt sind das nur Ankündigungen. VW Nils? Nur angekündigt, nie gekommen, dafür verkauft Renault seinen Twizy fast wie geschnitten Brot. Der XL1? Ich weiß nicht, was sich VW darauf einbildet, aber das Fahrzeug kann nichts, was der Opel Ampera bzw. Chevrolet Volt nicht auch können. Die Letztgenannten können es nur besser - und die kann man immerhin kaufen. Sollte VW für den XL1 irgendwelche Fördergelder bekommen haben, fordern Sie diese zurück.

Und dann der Kracher schlechthin:
VW möchte die E-Auto-Akkus im großen Stil als Pufferspeicher benutzen.
Mit Verlaub: Wer denkt sich einen solchen Schwachsinn aus?
Bevor man sich an solche Projekte macht, benötigt man erstmal Akkus, denen Ladezyklen egal sind. Oder wie stellt sich VW das vor, wie die Alterung (und damit erheblich kürzere Lebensdauer) durch die Ladezyklen vergütet wird?
Beispiel: Ein kompletter Ladezyklus (0% bis 100% und wieder runter auf 0%) kostet beim aktuellen Akku-Preis (~15000 Euro, einmal getauscht, bei angenommenen 2000 Zyklen) des Opel Ampera ca. € 7,50. Selbst wenn der Akkupreis in einigen Jahren durch Massenproduktion sowie bessere Materialien auf 25% des aktuellen Preisees sinken sollte, sind das immer noch € 1,88 - pro Zyklus, also 16,5kWh, macht pro kWh 11 Cent zusätzlich. Beim aktuellen Preis sind es 45 Cent pro kWh zusätzlich - das ist absolut indiskutabel.
Jeder Euro Unterstützung für dieses Vorhaben ist rausgeworfenes Geld. Vor allem wenn man bedenkt, daß es diese Technik auch schon längst gibt ... man müßte sie nur großflächig realisieren.

Vielleicht sollten die Fördergelder für die Elektromobilität auch mal an echte Ergebnisse geknüpft werden. Sonst schießt Audi wieder Millionen in den Wind, um Sound-Effekte (Sound-Effekte, die die Welt nicht braucht; E-Autos müssen nicht lauter werden, die Fußgänger sollen sich - wie bisher auch schon - einfach mal umsehen, bevor sie über die Straße laufen) für das E-Auto zu entwickeln, ein E-Auto, daß Audi bislang nicht auf die Beine gestellt bekommen hat.

Was ich mir für den Alltag der Elektro-Mobilität wünsche:
- Parkplätze für E-Fahrzeuge, bei denen Stromtankstellen stehen, dürfen ausschließlich von E-Fahrzeugen (hier schließe ich Hybride - E-REVs - wie z.B. Opel Ampera und Chevrolet Volt mit ein), die dort laden können, benutzt werden. Reine Verbrenner-Fahrzeuge müssen dort abgeschleppt werden können.
- Die Anbieter von öffentlichen Stromtankstellen sollen sich gefälligst auf ein einheitliches Abrechnungssystem einigen. Derzeit müßte man bei jedem Anbieter einen eigenen Vertrag abschließen (und jeder hat noch sein eigenes Zugangssystem), was für die gelegentliche Nutzung absolut kontraproduktiv ist. Z.B. RWE im Stuttgarter Raum: Nur Vertrag mit monatlicher Grundgebühr. Warum sollte ich mir aus Bayern, der hin und wieder Verwandtschaftsbesuche oder auch Urlaub im Stuttgarter Raum macht, einen solchen Vertrag antun? Es ist ja einsichtig, wenn ich für die Zugangskarte eine einmalige Gebühr zahle, aber ansonsten sollte "Call-by-Call" gelten.
- Die Hersteller von Ladesäulen sollen sich gefälligst an die Standards halten. Gerade bei Ladesäulen mit "eingebauter Intelligenz" kommt es immer wieder zu Problemen, weil sich Säule und E-Fahrzeug nicht richtig verstehen. Die Säulen sollen einfach nur Strom liefern, mehr nicht. Reicht auch. 3- und 1-phasiger CEE-Anschluß, mehr benötigt man im Grunde nicht, ggf. auch eine normale Schuko-Dose. Alles andere ist nur Geschäftemacherei.
Alles und jede Kleinigkeit wird durch irgendwelche Regelungen aufs Genaueste definiert (neue Samenverordnung der EU, Wasserversorgung; beide neuen Regelungen absolut unnötig). Aber da, wo es wirklich darauf ankommt, passiert nichts. Da soll es wieder der Markt richten. Ich will mein E-Fahrzeug einfach laden können und nicht bei jeder Ladesäule aus einem Sortiment von Adaptern, Zugangsmöglichkeiten und Vertrag die richtige Kombination erwischen, damit es klappt.

Mit freundlichen Grüßen
Gruß
Markus
Bild- Opel Ampera ePionier, lithiumweiß, Modelljahr 2012
Besitz und Datenerfassung seit 13.12.2012
Kilometerstand: 219997km
179991km elektrisch, 16.15kWh/100km ab Akku
33447km RE-Betrieb, 6.03l/100km
LDV 1.1l, persönlicher LDV 0.96l

Anzahl Akkuvollzyklen: 1816
aktuelle Sommer-Alltagsreichweite: 70km

Stand 31.08.2025

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Weißer Volt
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Re: Frage an den Umweltminister

Beitrag von Weißer Volt »

Hallo.

Besser hätte man es nicht formulieren können.

Gruß
Michael S.
Gruß
Michael S.
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VoltIhrAmpera?
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Re: Frage an den Umweltminister

Beitrag von VoltIhrAmpera? »

Mannomann, Markus....

Respekt für diesen Text - Du sprichst mir aus der Seele !!!!!

Hoffentlich wird der Text auch von ausschlaggebenden Personen gelesen und verstanden :idea:

Gruß Chris
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Harro Kunz
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Re: Frage an den Umweltminister

Beitrag von Harro Kunz »

Markus,
Super Beitrag , alle Achtung !!!
Du sprichst mir aus der Seele.
Harro. :D
SuLa
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Re: Frage an den Umweltminister

Beitrag von SuLa »

…wirklich klasse Markus.

Nicht mehr lange und es steht eine namhafte Zeitung bei Dir vor der Tür und bittet Dich eine Kolumne zu schreiben.

Bis dahin gibt es Deine Werke noch kostenlos und für die Presse zum Abschreiben
(Man merkt mittlerweile, dass dieses Forum als Fundgrube dient.)

Weiter so !
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Markus Dippold
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Re: Frage an den Umweltminister

Beitrag von Markus Dippold »

Ich tue, was ich kann.
Ich bin neugierig, welche Antwort ich hierauf bekomme, wenn denn überhaupt eine Antwort kommt.

Ja, Kolumnen ...
Ich habe schon mal das Angebot für eine Online-Kolumne bekommen. Aber wenn man schon unter einem Pseudonym schreibt und angefeindet wird, weil dem "Gegner" des Themas die Argumente ausgehen, möchte ich bei den hier am Ort verbreiteten Zeitungen meinen Klarnamen nicht lesen. Deshalb schreibe ich da auch keine Leserbriefe mehr.
Das letzte Mal hatte es zur Folge, daß der Winterräumdienst den Schnee in unsere Einfahrt reingeschoben hat. Und das waren ein paar Kubikmeter. Dabei hatte ich nur gefragt (nachdem ich die Leute durchaus vor Ort angesprochen hatte und ein plöde(!) Antwort bekommen habe), ob es denn wirklich notwendig sei, den Motor des Einsatzfahrzeuges ständig laufen zu lassen, während man bei der Bushaltestelle den Schnee von Hand räumt. Da dieselt das Ding halt gut 10 Minuten lang vor sich hin - für nichts und wieder nichts. Vielleicht hofften sie auf eine schnellere Klimaerwärmung, auf daß der Schnee von selbst schmilzt.
Fragt man die Stadt, dann war alles ganz anders. Jaja, schon klar, verschei.ern kann ich mich selbst auch.

Gruß
Markus
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Jürgen
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Re: Frage an den Umweltminister

Beitrag von Jürgen »

Markus,
-da kann ich nur sagen: "Hut ab"...!!
-Wenn das nur in deren Schädeln ankommen würde...?!!

"Ein Jahrhundert lang " gibt es schon das E-Mobil,
doch auch wir -sind immer noch ePioniere...

Unsere Aufgabe scheint die Vorbildfunktion zu sein, und permanentes "Nerven, und auf die Füße treten"...

900 Fachleute sollen sich da zu einem Gipfel getroffen haben, -und die Kanzlerin huscht nur von einem Gipfel zum anderen...
-und was kommt dabei heraus -außer bla bla...? -Schöne Bilder für die Presse...

..."Nagelt das Land mit Ladeseulen zu" mit einem einheitlichen Abrechnungssystem, wie von Markus beschrieben, und wartet nicht darauf, dass "der Andere" in Vorleistung geht!


Und Hut ab, vor EcoCarers Ladepark!
-Ein Mann der Tat, und nicht der "schönen und hohlen Worte"...!
Jürgen.

Mein Auto fährt ohne Atomstrom...
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