Das Carsharing/ÖPNV-Dilemma [Thema geteilt]
Verfasst: 22. Dez 2011 18:43
Nachdem ich mich einige Zeit auf dem Opel Ampera Blog gewegt habe und die nun die Kommentarfunktion abgeschaltet haben, habe ich mich auf den Foren ausserhalb umgesehen.
Wenn ich mir die für und wieder hier auf der Seite ansehe, dann frage ich mich wirklich, ob einige in einer Traumwelt leben oder nicht. Gibt es hier ernsthaft eine Diskussion darüber, ob man einen bestimmten Autotyp fahren muss, um sich umweltfreundlich zu verhalten?
Die Frage an sich ist ja schon irrsinnig. Den einzigen Autotyp, den man fahren darf, um sich umweltfreundlich zu verhalten, ist der kostengünstigste überhaupt: keinen.
Man kann es so sagen: wenn an einer Ampel 30 Lenker in 30 Fahrzeugen, die mit irgendeinem Hybridsystem ausgestattet sind, warten und daneben steht ein, Bus, der noch 30 Sitzplätze frei hat, dann sehe ich dort nicht 30 Menschen, die die Umwelt schützen oder unseren Planeten retten. Nein, ich sehe 30 Leute, die, wenn sie sich abgesprochen hätten, möglicherweise Fahrgemeinschaften bilden könnten oder allesamt in den Bus steigen könnten.
Stattdessen sitzen wir alle in den Autos vor der Ampel und denken, wir retten die Welt, weil die richtige Marke auf dem Lenkrad steht, dass vor einem ist.
Wirkliche Ansätze, dass alles ein wenig intelligenter zu machen, lägen wohl eher in einem massiven Carsharing, um die vorhandenen Autos optimal zu nutzen (die müssen energieintensivst gebaut werden), dem Ausbau von Heimarbeitsplätzen (wieso muss ein SAP Entwickler zum Büro fahren, wenn er das alles von zu Hause aus machen könnte?) und dem viel stärkeren Einsatz von öffentlichen Verkehrsträgern. Gerade hier wäre in Deutschland noch viel Potential. So vermisse ich beispielsweise das Modell eines schweizer Generalabos schmerzlich. Damit kann ich um die 98% des öffentlichen Nahverkehrs in der gesamten Schweiz nutzen. So fahre ich morgens zum nächsten, passenden Bahnhof, dort bringt mich die S-Bahn zur Stadt und dort nutze ich die Strassenbahnen/Trams um weiterzukommen. Kein einziges Mal komme ich so in die Situation, Stop/Go in der Stadt mitmachen zu müssen.
In Deutschland wäre dies komplizierter. Alleine schon deswegen, weil es wohl nicht möglich wäre, ein gemeinsames Abo für S-Bahn und Strassenbahn zu bekommen. Und bei der S-Bahn wäre ich mir nicht sicher, ob die Pünktlchkeit in einem ausreichenden Rahmen sein würde. Wenn man also etwas für die Umwelt tun will, dann sollte man nicht das vermeintlich richtige Auto kaufen, sondern sich massiv dafür einsetzen, dass man sich bestimmte Fahrten sparen kann (z.B. wenn machbar durch Homeoffice oder Terminmanagement) und die Alternativen vor Ort einzusetzen.
Im Prius in der Stadt im Stop/Go neben einer Strassenbahn zu stehen ist genauso unsinnig wie mit einem Ampera elektrisch neben einem elektrischen Triebzug auf einer Bahntrasse herzufahren...
Was mich Wunder nimmt, sind die Vergleiche, die dann jedoch hier gezogen werden. DIe Nutzungsprofile der einzelnen Fahrzeuge sind ja doch verschieden. Opel bzw. das Entwicklungszentrum hat mit dem Volt ein Fahrzeug auf den Markt gebracht, dass eine bestimmte Distanz elektrisch fahren kann und dann jedoch nicht liegen bleiben soll. Ich habe nirgendwo gelesen, dass der Ampera mit dem Verbrenner sparsam sein soll. Offensichtlich bewegt er sich hier auf dem Niveau eines normalen Fahrzeugs - wobei auch 7 Liter für theoretische 150 PS und 1.7 Tonnen Gewicht heute gar kein schlechter Wert wären.Will man längere Distanzen überland fahren, dann braucht es einen Diesel unter der Haube. Allein schon deswegen, um eine ausreichende Reichweite zwischen den Tankstopps hinzubekommen. Wenn du mehr als 1000 km pro Woche fährst, willst du dann auch ein Auto haben, dass die 1000km ohne Unterbruch runterspulen kann...
Wenn ein anderes Fahrzeug darauf ausgelegt ist, bei Start und Stop besser zu sein, dann bitte. Wenn jemand vor dem Problem steht, viel Stop/Go machen zu müssen und keinen Bus, Eisenbahn oder Strassenbahn als Alternative hat, dann bitte. "Kaufen und froh sein, dass es angeboten wird" sollte die Devise sein.
Ich selbst versuche gerade mein privates Ampera Problem zu lösen. Meine 46km Pendeldistanz zum S-Bahnhof werde ich frühstens 2025 los, wenn ETCS flächendeckend da ist. Ich diskutiere gerade mit meinem Stellplatzvermieter ob ich eine Ladestation einrichten darf und mit der m-way, eine Tochter der Migros, ob der grösste Detailhändler der Schweiz in seinen Parkhäusern keine Ladestationen einrichten mag. Ersteres scheitert, da jede nicht direkt renditebringende Investition geblockt wird, letzteres ist derzeit auch nicht mehr als ein Strohfeuer, da Elektromobilität eben ein Imagethema ist. Und die Migros würde kaum für einen "Deppen" ein Parkhaus nachts öffnen oder ihm Zutritt geben, nur damit er sein Auto anstecken kann. Ausserdem, für 50.000 CHF kauft sich der Schweizer einen V6 - keinen 1.4l Benzin-Elektro-irgendwas.
Bis ich die Ladestation habe, fallen die 46km vermutlich weg. Entweder, weil ich dann öfters Homeoffice machen kann und sie nicht mehr fahren muss - das wäre für die Umwelt das beste, weil ich dann einen direkten Zug habe oder weil bis dahin der Job wieder wechselt.
Vielleicht schaffe ich es aber, so zu einer ersten und guten Probefahrt mit einem Volt zu kommen. Sollte das klappen, dann berichte ich davon gerne.
Wenn ich mir die für und wieder hier auf der Seite ansehe, dann frage ich mich wirklich, ob einige in einer Traumwelt leben oder nicht. Gibt es hier ernsthaft eine Diskussion darüber, ob man einen bestimmten Autotyp fahren muss, um sich umweltfreundlich zu verhalten?
Die Frage an sich ist ja schon irrsinnig. Den einzigen Autotyp, den man fahren darf, um sich umweltfreundlich zu verhalten, ist der kostengünstigste überhaupt: keinen.
Man kann es so sagen: wenn an einer Ampel 30 Lenker in 30 Fahrzeugen, die mit irgendeinem Hybridsystem ausgestattet sind, warten und daneben steht ein, Bus, der noch 30 Sitzplätze frei hat, dann sehe ich dort nicht 30 Menschen, die die Umwelt schützen oder unseren Planeten retten. Nein, ich sehe 30 Leute, die, wenn sie sich abgesprochen hätten, möglicherweise Fahrgemeinschaften bilden könnten oder allesamt in den Bus steigen könnten.
Stattdessen sitzen wir alle in den Autos vor der Ampel und denken, wir retten die Welt, weil die richtige Marke auf dem Lenkrad steht, dass vor einem ist.
Wirkliche Ansätze, dass alles ein wenig intelligenter zu machen, lägen wohl eher in einem massiven Carsharing, um die vorhandenen Autos optimal zu nutzen (die müssen energieintensivst gebaut werden), dem Ausbau von Heimarbeitsplätzen (wieso muss ein SAP Entwickler zum Büro fahren, wenn er das alles von zu Hause aus machen könnte?) und dem viel stärkeren Einsatz von öffentlichen Verkehrsträgern. Gerade hier wäre in Deutschland noch viel Potential. So vermisse ich beispielsweise das Modell eines schweizer Generalabos schmerzlich. Damit kann ich um die 98% des öffentlichen Nahverkehrs in der gesamten Schweiz nutzen. So fahre ich morgens zum nächsten, passenden Bahnhof, dort bringt mich die S-Bahn zur Stadt und dort nutze ich die Strassenbahnen/Trams um weiterzukommen. Kein einziges Mal komme ich so in die Situation, Stop/Go in der Stadt mitmachen zu müssen.
In Deutschland wäre dies komplizierter. Alleine schon deswegen, weil es wohl nicht möglich wäre, ein gemeinsames Abo für S-Bahn und Strassenbahn zu bekommen. Und bei der S-Bahn wäre ich mir nicht sicher, ob die Pünktlchkeit in einem ausreichenden Rahmen sein würde. Wenn man also etwas für die Umwelt tun will, dann sollte man nicht das vermeintlich richtige Auto kaufen, sondern sich massiv dafür einsetzen, dass man sich bestimmte Fahrten sparen kann (z.B. wenn machbar durch Homeoffice oder Terminmanagement) und die Alternativen vor Ort einzusetzen.
Im Prius in der Stadt im Stop/Go neben einer Strassenbahn zu stehen ist genauso unsinnig wie mit einem Ampera elektrisch neben einem elektrischen Triebzug auf einer Bahntrasse herzufahren...
Was mich Wunder nimmt, sind die Vergleiche, die dann jedoch hier gezogen werden. DIe Nutzungsprofile der einzelnen Fahrzeuge sind ja doch verschieden. Opel bzw. das Entwicklungszentrum hat mit dem Volt ein Fahrzeug auf den Markt gebracht, dass eine bestimmte Distanz elektrisch fahren kann und dann jedoch nicht liegen bleiben soll. Ich habe nirgendwo gelesen, dass der Ampera mit dem Verbrenner sparsam sein soll. Offensichtlich bewegt er sich hier auf dem Niveau eines normalen Fahrzeugs - wobei auch 7 Liter für theoretische 150 PS und 1.7 Tonnen Gewicht heute gar kein schlechter Wert wären.Will man längere Distanzen überland fahren, dann braucht es einen Diesel unter der Haube. Allein schon deswegen, um eine ausreichende Reichweite zwischen den Tankstopps hinzubekommen. Wenn du mehr als 1000 km pro Woche fährst, willst du dann auch ein Auto haben, dass die 1000km ohne Unterbruch runterspulen kann...
Wenn ein anderes Fahrzeug darauf ausgelegt ist, bei Start und Stop besser zu sein, dann bitte. Wenn jemand vor dem Problem steht, viel Stop/Go machen zu müssen und keinen Bus, Eisenbahn oder Strassenbahn als Alternative hat, dann bitte. "Kaufen und froh sein, dass es angeboten wird" sollte die Devise sein.
Ich selbst versuche gerade mein privates Ampera Problem zu lösen. Meine 46km Pendeldistanz zum S-Bahnhof werde ich frühstens 2025 los, wenn ETCS flächendeckend da ist. Ich diskutiere gerade mit meinem Stellplatzvermieter ob ich eine Ladestation einrichten darf und mit der m-way, eine Tochter der Migros, ob der grösste Detailhändler der Schweiz in seinen Parkhäusern keine Ladestationen einrichten mag. Ersteres scheitert, da jede nicht direkt renditebringende Investition geblockt wird, letzteres ist derzeit auch nicht mehr als ein Strohfeuer, da Elektromobilität eben ein Imagethema ist. Und die Migros würde kaum für einen "Deppen" ein Parkhaus nachts öffnen oder ihm Zutritt geben, nur damit er sein Auto anstecken kann. Ausserdem, für 50.000 CHF kauft sich der Schweizer einen V6 - keinen 1.4l Benzin-Elektro-irgendwas.
Bis ich die Ladestation habe, fallen die 46km vermutlich weg. Entweder, weil ich dann öfters Homeoffice machen kann und sie nicht mehr fahren muss - das wäre für die Umwelt das beste, weil ich dann einen direkten Zug habe oder weil bis dahin der Job wieder wechselt.
Vielleicht schaffe ich es aber, so zu einer ersten und guten Probefahrt mit einem Volt zu kommen. Sollte das klappen, dann berichte ich davon gerne.